Der zweite Arbeitstag

Heute fuhren wir von Tongue aus durch die Grafschaft Sutherland, am Loch Eribol entlang, bis nach Riconich an der Westküste der Highlands. Die unberührte, weite Landschaft mit all den Sandstränden, Bergen, Heideflächen und Lochs ist so unbeschreiblich schön, dass mir oft die Worte fehlten.

Auch heute gibt es wieder viel vom Alltag einer mobilen Bibliothekarin zu berichten. Bemerkenswert für mich ist zum Beispiel, dass viele Handarbeits- und Kochbücher entliehen werden. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein Tag in den menschenleeren Highlands ziemlich lang sein kann und die Leute hier viel Zeit mit Basteln und Handarbeiten verbringen. Eine Station heute war Balnakeil Craft Village. Ein Dorf, als wäre es aus der Zeit gefallen. Und tatsächlich siedelten sich hier in den 60er Jahren Menschen an, um Töpferware und andere selbstgemachte Produkte zu verkaufen. Dies war übrigens heute die Station mit den meisten Entlehnungen.

Außerdem fiel mir auf, dass, im Vergleich zu Österreich, viele männliche Leser Bücher entlehnen. Wie schaffen das die schottischen Bibliothekare nur? Erwähnen sollte ich auch noch den Mann in seinem Auto, der uns begegnet und winkt. Natürlich bleiben wir stehen, um ihm die Möglichkeit zu geben, in den Bücherbus zu kommen. Mobile Bibliothekare sind sehr flexibel.

Halten mussten wir auch an einem Haus, in dessen Garten die schottische Flagge gehisst war, denn das heißt, der Bewohner ist zuhause und möchte sich gerne Bücher aussuchen.

Mit dem Wetter hatten wir bisher großes Glück. Michelle erzählte mir, dass der Wind manchmal zu stark sein kann, um weiterzufahren. Der Bus schaukelt zu stark und sie fährt dann zurück, um sich selbst und die Leser, die zum Bus kommen, nicht zu gefährden.

Und worüber reden zwei Bibliothekarinnen, wenn sie gerade nicht die atemberaubende Landschaft der Highlands bewundern - natürlich über Lieblingsautoren und ihre Bücher. Als Beifahrerin eines schottischen Bücherbusses sollte ich allerdings kurz über schottische Autoren berichten:

Allen voran ist natürlich Robert Burns (1759 - 1796) zu nennen. In bäuerlichen Verhältnissen aufgewachsen, veröffentlichte der Romantiker, radikale Demokrat und bissige Satiriker seine Gedichte sowohl in Englisch als auch in Scots. 1788 verfasste er das Gedicht "Auld Lang Syne", das als Vorlage für die weltberühmte Hymne diente, die jedes Jahr zum Jahreswechsel angestimmt wird. Zu seinen Ehren feiern die Schotten alljährlich an seinem Geburtstag, dem 25. Januar die Burns Night mit einem sehr ritualisierten Ablauf.

Neben Burns sorgte Sir Walter Scott (1771 - 1832) für Schottlands literarisches Ansehen. Er schrieb fast 30 historische Romane und gilt als Begründer dieses literarischen Genres.

Besonders durch Reise- und Abenteuerliteratur, wie die "Schatzinsel" und die Schauererzählung "Dr. Jekyll und Mr. Hyde", gelangte Robert Louis Stevenson (1850 - 1894) zu Ruhm.

Sir Arthur Conan Doyle (1859 - 1930) mit seiner unvergesslichen Literaturfigur Sherlock Holmes, Hugh Mac Diarmid, Ian Rankin, Peter May und natürlich auch J. K. Rowling mit Harry Potter - die Liste der zu nennenden Autoren scheint unendlich zu sein, so viele wären noch zu nennen und sie alle haben ein gemeinsames, großes Anliegen: die Repräsentation ihrer Heimat.

Feierabend für zwei mobile Bibliothekare - ein herrlicher Strandspaziergang!

 

(c) Text und Fotos: Astrid Neureiter

Kommentare

Meine Liebe: Ich wünsche Euch viele tolle Begegnungen mit Mensch, Landschaft und Kultur! Schöne Zeit!

Bild des Benutzers Judith Oliva

Es ist sehr spannend, von den Erfahrungen mit dem Bücherbus zu lesen, vor allem auch das mit der Flagge. Ist das auf der Tour des Bücherbusses so etwas wie ein allbekannter "Code"?

Bild des Benutzers Astrid Neureiter

Das Hissen der Flagge bei diesem Haus ist eher als Scherz gedacht, die Queen tut es schließlich auch!

Liebe Astrid!
Beim Lesen deiner Berichte gerät man direkt ins Träumen. Vielleicht sollten du und Daphne mal darüber nachdenken... ;-)
Ich werde inzwischen beim Lesen meiner Peter May Lektüre zumindest gedanklich reisen.
Ich wünsche dir noch viele schöne Erlebnisse und interessante Begegnungen.
Bis bald und liebe Grüße, Eva

Da fehlen mir auch die Worte! Toll!
Weiterhin eine schöne und interessante Zeit!

Hallo Astrid, verfolgte natürlich auch deinen äußerst interessanten Blog! Das war sicher eine unvergessliche Erfahrung für dich! In Sachen English literature bist du mir nun sicher um einiges voraus :-) freue mich auf deinen Bericht!
See you Christine

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