Die erste Fahrt mit dem Bücherbus

Heute war also mein erster Arbeitstag und ich kann sagen, dass es jede Menge zu tun gab. Die Fahrt mit dem Bücherbus begann in Strathy Point, immer entlang der Nordküste Schottlands, auf der Tongue-Route. 10 Stationen warteten auf uns und gleich der erste Halt war in der Bettyhill Library. In den typischen blauen Boxen lieferten wir neue und vorbestellte Bücher.

Weiter gings mit dem 4 Tonnen schweren, gelben Bus zur Tongue Primary School, Michelle drückte kräftig auf die Hupe und die Kinder kamen und freuten sich darauf, nach den Ferien wieder Bücher ausleihen zu dürfen. Tongue Primary ist eine kleine Schule mit 18 Schülern in zwei Klassen und obwohl die Schule eine eigene Bibliothek hat, entlehnen die Kinder gerne Bücher aus dem Bus.

Bis zum frühen Abend waren wir unterwegs und viele Leser werden mir in Erinnerung bleiben: die junge Mutter mit ihren zwei Söhnen, die sie zuhause unterrichtet und viele Bücher bei Michelle bestellt. Der kleine Junge, dessen Mutter vor einigen Jahren gestorben ist. Der nette Herr mit seinem Hund "Cooper"

und die vielen anderen Leser, die sich so auf die Ankunft des Bücherbusses freuen. Michelle kennt alle Leser und viele werden zu Freunden. Sie ruft an, wenn jemand nicht zum Bus kommt, ob auch alles in Ordnung ist und sie sucht Bücher aus und bringt sie ins Haus, wenn Leser krank sind. Ich kann sagen, dass Michelle Bibliothekarin mit Leib und Seele ist, denn nach dieser Woche hat sie vier Wochen lang Urlaub und freut sich nicht darauf, weil sie ihre Arbeit so sehr liebt.

Noch ein paar Worte zur Geschichte der Fahrbibliothek:

Erstmals wurden 1905 im Staat Maryland in Washington County (USA) aus einem pferdebespannten Überlandwagen Bücher verliehen. Nach dem Ersten Weltkrieg existierten in den USA und Großbritannien erste motorisierte Büchereien. Bis zum Zweiten Weltkrieg wuchs das Fahrbüchereiwesen in den USA und GB langsam, aber stetig.

Auch in vielen anderen Ländern gibt es Fahrbüchereien in unterschiedlichster Form: Bücherschiffe in Skandinavien, die Kamelbibliothek in Kenia, Bibliomulas, also Maultiere, die als mobile Bibliothek in Venezuela eingesetzt werden, Biblioburros in Kolumbien und Eisenbahnbüchereien in Schweden. Ausgedient haben mittlerweile die Appenzeller Bibliobahn, die in der Ostschweiz 20 Jahre lang Bücher in Dörfer brachte und Straßenbahnen als Fahrbibliotheken in München, Budapest und Edmonton.

Nur nebenbei: Michelle erzählte mir, dass es neben den Bücherbussen, die ihre Route im Abstand von drei Wochen fahren, auch "Screenmachines", also Kinobusse gibt. Sie können vergrößert werden, bieten Platz für viele Besucher und fahren regelmäßig durch die Highlands. Was es so alles gibt!

 

(c) Text und Fotos: Astrid Neureiter

Kommentare

Bild des Benutzers Sonja Teufel-Müller

Als mobile Bibliothekarin gibt es immer etwas zu erzählen! Ich freue mich schon auf weitere Berichte!
Schöne Grüße an Michelle!

Sehr nett!! Danke für den Bericht - da hat man richtig das Gefühl mitzufahren! Freue mich ebenfalls schon auf die weiteren Geschichten!

Hallo Astrid!
Schön, dass du gut angekommen bist.
Måt war heute bei mir im Geschäft, jetzt kann ich deine Aktivitäten ein bissl verfolgen. Freu mich drauf!
Ich packe jetzt auch meinen Koffer, morgen geht's nach Kissingen....
Dickes Bussi!
Ilse

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