Der dritte Arbeitstag

Oh, diese Midges! Nie wieder werde ich ein Wort über unsere Gelsen verlieren. Millionen von kleinen Stechmücken, nur 2 mm groß, versuchen den Highlandern das Leben schwer zu machen. Gott sei Dank hat Michelle ein wirksames Mittel gegen diese Plage dabei und so können wir unbesorgt unseren Arbeitstag beginnen.

Trotzdem müssen wir heute die Bustüren geschlossen halten und öffnen sie nur kurz für die Leser. Wer mehr über diese Plage, die die Schotten sehr gelassen und mit Humor ertragen, erfahren möchte, dem empfiehlt Michelle das Buch "The Black Cloud".

Heute starteten wir unsere Tour in Rhiconich im Nordwesten, fuhren nach Kinlochbervie und dann folgten wir solange der Straße immer in nordwestlicher Richtung durch die Highlands, bis sie fast endete. Eine Station unserer Route war die Kinlochbervie Primary School. Wenn man die vielen Kinder in ihren typischen Schuluniformen sieht und wie sie sich darauf freuen, Bücher entlehnen zu dürfen, geht einem wahrlich das Herz auf. Heute wurde mir auch klar, warum die Briten so geduldig in einer Schlange stehen können - sie lernen es schon von Kindesbeinen an!

Wenn man durch diese Landschaft fährt, über der ein geheimer Zauber zu liegen scheint, erscheinen Geschichten von Hexen und Feen nicht allzu weit hergeholt.

Für die Märchenleser oder -erzähler unter uns hier noch kurz ein wenig Wissenswertes über schottische Märchen: Schottische Märchen und Sagen wurden meist von "story-tellers", also Geschichtenerzählern vorgetragen. An den langen Abenden der Herbst- und Winterzeit, am wärmenden Torffeuer, erzählten sie ausdrucksstark, mit Gestik und Mimik untermalt und in wechselndem Sprachtempo. Diese Zusammenkünfte hießen in Schottland cèilidh und waren noch Ende des 19. Jh. verbreitet. Der Begriff cèilidh bedeutet ursprünglich "Besuch" und dabei wurden nicht nur Geschichten erzählt, es wurde auch musiziert und getanzt, Rätsel wurden gestellt und Gedichte vorgetragen. Zunehmend finden auch heutzutage wieder cèilidhean statt, in ländlichen Gegenden und Städten, privat und öffentlich.

Zwei Sammler von schottischen Märchen waren im 19. Jh. übrigens Francis Campbell und Alexander Carmichael. Viele ihrer zusammengetragenen Geschichten findet man im 2017 neu erschienenen Buch "Schottische Märchen", herausgegeben von Erich Ackermann.

 

(c) Text und Fotos: Astrid Neureiter

Kommentare

Den heurigen Sommer hast du (nach dem Foto zu schließen) gestern wohl nicht erlebt, liebe Astrid!
Wusstest du, dass einst ein schottischer Elfenstamm (das Stille Volk) ins steirische Salzkammergut verbannt worden ist? Die besondere Grausamkeit der Verbannung bestand darin, dass der Ort der Verbannung eine besonders schöne Gegend sein sollte, in der man sich aber dennoch nicht heimisch fühlt.Gemildert nur durch den Umstand, dass sie in der Verbannung Flüsse und Seen vorfanden. Nachzulesen bei Barbara Frischmuth: Die Mystifikation der Sophie Silber.
Alles Gute weiterhin auf deiner zauberhaften Reise!
Claudia

Bild des Benutzers Astrid Neureiter

Vielen Dank! Das wusste ich nicht, werde mir das Buch aber gleich besorgen. Bis bald!

Thank you for sharing all of this Astrid - your adventures, the fact that such a service still exists and its importance for everyone who uses it. So abgesetzt sind die Highlands und desto wichtiger ist es, so was zu ermoeglichen. I look forward to hearing and seeing more. Will you return with a Highland accent along with lots of ideas (and a few midge bites)? Happy onward journey!

Bild des Benutzers Astrid Neureiter

Thank you! I think that my accent will be a mixture of scottish and yorkshire dialect, because Michelle comes from Yorkshire. Die Bisse muss ich wohl mitnehmen, aber die Midges können ruhig in Schottland bleiben!

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