Around Kinlochbervie

Wegen einer „MINI“-Rundfahrt waren heute Nacht alle Zimmer in der Umgebung ausgebucht, so hatte mir Michelle netterweise ihr fix gebuchtes überlassen und ist in ein Personalzimmer ausgewichen. Entsprechend laut war dann auch die Nacht – Vollmond nebenbei – dennoch schlafe ich wie ein Bär. Die Fahrt mit der Mobile Library und die Schwierigkeiten mit dem Upload meines Blogs am Abend (Internet wie zur Jahrtausendwende) machen müde.

Michelle checking van

Ein kurzer heftiger Platsch am Morgen leert die Wolken und Michelle arbeitet ihre tägliche Checkliste zur Überprüfung des Fahrzeug-Zustandes ab. Meist gibt es keine Probleme, falls sie mit ihrem Van dennoch einmal liegenbleiben sollte, hat sie von all ihren Kunden die Telefonnummer und ruft diese kurzerhand an, um sie zu informieren, dass der Bücherbus nicht kommen kann. Das ist Service! (Kommt aber Gott sei Dank nur ganz selten vor, schlimmstenfalls im Winter bei starkem Sturm – Schnee gibt es hier selten).

Kinlochbervie nurseryKinlochbervie nursery

Kinochbervie primary

Kurz nach 9 Uhr starten wir bei Sonnenschein zur Kinlochbervie Nursery und anschließend zur Primary. Die Schüler der direkt nebenan liegenden Highschool (für Schüler ab 11) scheinen kein Interesse (mehr) an Büchern zu haben. Es ist überall dasselbe, auch hierzulande ist es schwierig, Jugendliche zum Lesen zu bringen. Zu sehr ändern sich die Interessen in dem Alter! Und dabei bietet highland highlife extra „gadgets“ an, sogenannte micro:bits, das sind kleine programmierbare Computer für Lehrer und Schüler, damit Lernen mehr Spaß macht (wen das interessiert, näheres unter https://microbit.org).

microbit

Wir sind jetzt ja bereits an der Westküste angelangt und fahren heute ausgehend von Rhiconich (und wieder dort endend) eine Reihe von Haltestellen um Kinlochbervie an. Wir nehmen eine atemberaubend schöne Straße entlang des Loch Inchard (einer weit ins Landesinnere reichenden Bucht) mit wunderschöner Aussicht, wechselnd zwischen Küste und Hügelland.

 

Loch Inchard

Es ist ziemlich touristisch hier, auch einige Camper aus dem Festland Europas „verirren“ sich hierher, für die gibt es dann allerorts (mehrsprachige) Schilder mit dem Hinweis „keep left“. Michelle hatte bereits einige  (meist glimpflich abgehende) Begegnungen mit ausländischen Fahrzeugen, die ihr auf der falschen Seite entgegenkamen, vielleicht, weil sie gerade die Landschaft betrachten oder einen verlassenen Briefkasten (der aber dennoch täglich entleert wird).

landscapemail box

Wieder haben wir Haltestellen, die nur die Bewohner eines entlegenen Hauses bedienen, aber auch größere Stopps, wo die Kunden der mobile library schon auf uns warten, so auch am Kinlochbervie Harbour.

Kinlochbervie harbour

Auffallend ist, wie viele männliche Leser hier auftauchen (gestandene Schotten mit wettergegerbter Haut) und sich vorwiegend mit Sachliteratur, aber auch Krimis und Hörbüchern eindecken.

elderly lady in mobile library

Auffallend ist auch, dass hier wirklich jeder jeden kennt, man hilft sich gegenseitig, bringt die Bücher des Nachbarn, wenn dieser gerade nicht kommen kann, Michelle weiß ja, was sie jedem ihrer Leser mitgibt. Einige „melden sich ab“ bis ins kommende Frühjahr, weil sie nur den Sommer über hier verbringen. Und jeder ist glücklich mit dem (kostenfreien) Angebot (lediglich für Hörbücher bzw. DVDs fallen Gebühren an), auch wenn naturgemäß nicht immer alles sofort verfügbar ist. Michelle versucht es, bis zum nächsten Mal mitzubringen. Und natürlich können die Leser hier auch Medien vorbestellen.

elderly people in library hepling each other

Pünktlich zu unserer Mittagspause klart es auf und Michelle und ich machen (bei Sonnenschein gepaart mit eisigem Wind und zuletzt einem Regenschauer - das Wetter hier ändert sich wirklich binnen Minuten!) einen ausgiebigen Marsch zu einem kleinen Strand in der Nähe von Oldshore More, dem „Polin Beach“, traumhaft schön gelegen, türkisblaues (leider eiskaltes) Wasser, umgeben von Felsen und Hügeln.

road to Oldshore morePolin beachPolin beachpolin beach

Innerhalb der schottischen Highlands hat die Grafschaft Sutherland nicht nur die niedrigste Bevölkerungsdichte Westeuropas, sondern auch als einzige auf drei Seiten (eine ziemlich zerklüftete) Küste: im Osten, im Norden und eben im Westen.

Klippen an der Westküste

Oldshore more

Die Küstenregion mit ihren Klippen und Stränden, umgeben von Gebirgszügen, Mooren mit Torf und Felsen, bewaldeten weiten Tälern und Meeresbuchten bzw. Seen ist überwältigend.

Der Duke of Sutherland, nach dem die Grafschaft benannt ist, war es auch, der im Zuge der unrühmlichen „Clearances“ ab Ende des 18. Jahrhunderts die ansässigen Schotten verjagte (oder zur freiwilligen Auswanderung brachte), um für die einträglichere Schafzucht Platz zu machen. So also kamen die Schafe, „die Geißel Schottlands“, ins Land.

Rhiconich hotel

schottisches Schaf

©Text und Fotos: Sigrid Ehrlich

 

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BibliothekarInnen sind Improvisationstalente - ob in dünn besiedelten Gegenden oder im urbanen Bereich - und das ist gut so... Schlafen Sie weiterhin so fest wie ein Bär, um für die Arbeit im Bücherbus fit zu bleiben!

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