Boston Book Festival

Unlängst wurde in und rund um die Boston Public Library das zehnte Boston Book Festival gefeiert: dafür standen erhellende Autorengespräche, spannende Podiumsdiskussionen, unterhaltsame Lesungen u.v.m. für LeserInnen aller Altersstufen (und eine neugierige österreichische Bibliothekarin) auf dem (Tages)Programm...

Und das Programm hatte es wirklich in sich: 110 Veranstaltungen, mehr als 200 AutorInnen bzw. Vortragende, über 25 originelle Locations (wie Kirchen, Schauküchen und Zelte) und nur (!) 10 (!!) Stunden (!!!) Zeit...

Also musste das Programm akribisch studiert und ein strategischer Tagesplan ausgearbeitet werden und unter meinen persönlichen Highlights waren dann:

*)   "Story Time" mit Brian Lies                                                                                                                                             Der bekannte Kinderbuchautor las seine beliebtesten Geschichten vor und erzählte seinen kleinen und größeren Fans, wie es überhaupt dazu kommt, dass seine Ideen auf Papier und dann in Büchern landen. Er beantwortete Fragen, dachte sich spontan lustige Geschichten aus, zeichnete live einzelne Figuren und erweckte sie vor den Augen der begeisterten Kinder zum Leben. Und praktischerweise konnten die Bücher gleich vor Ort gekauft und signiert werden...

 

 

 

*)   "Rage Against the Screen - Gathering In Real Life" mit Radha Agrawal und Priya Parker                                     Wie kann es sein, dass man bei Facebook & Co eine Unmenge an FreundInnen haben und dennoch allein und einsam sein kann?! Was macht eine soziale Gruppe aus? Wie wird man ein anerkanntes Mitglied einer Gemeinde und/oder Teil einer echten Gemeinschaft? Wie finde ich z.B. an meinem neuen Arbeitsplatz, in einer neuen Stadt oder in einer bestimmten Lebenssituation jemand Neues, der auf freundschaftlicher Ebene zu mir passt? Die beiden Autorinnen analysieren und diskutieren in ihren Büchern verschiedene soziale Beziehungsmuster und gehen dabei bestimmten Traditionen und Ritualen auf den Grund. Besonders spannend: Sie zeigten vor Ort auf, wie sich in einem Saal voller fremder Menschen Gemeinsamkeiten herausfinden lassen und wie man durch Fragen an das Publikum sofort für Gesprächsstoff und Kontaktmöglichkeiten untereinander sorgen kann...

 

*)   "Fun and Feminist Historical Fiction" - Lesungen mit Laura Andersen, Theodora Goss und MacKenzi Lee        Die drei Autorinnen stellten ihre neuesten Werke für die "Young Adult" - Leserschaft vor und erzählten, wie spannend und schwierig es sein kann, Fiktives, Literarisches und historisch Verbürgtes bzw. Reales in einer Geschichte zu vereinen... So erleben beispielsweise bei Theodora Goss die Töchter berühmt-berüchtigter Gestalten aus der Literatur ihre eigenen Abenteuer: Mary Jekyll, Diana Hyde und Justine Frankenstein suchen mit Hilfe von Sherlock Holmes und Dr. Watson die entführte Lucinda Van Helsing... Und kaufen konnte man die Bücher natürlich auch gleich!

 

 

*)   "Love Letters" - der erfolgreiche Ratschlags-Podcast mit Meredith Goldstein und Amy Pedulla                    Unvorstellbar, aber Ratschlagskolumnen wie z.B. Fragen an das Doktor-Sommer-Team der BRAVO und ähnliche Autoritäten sind trotz Google und Frage-Antwort-Foren und Platformen im Internet immer noch beliebt... Der Boston Globe hat seine Kolumne nun als Podcast mit einer narrativen Storyline produziert; d.h. in jeder Episode wird eine Frage zum Thema Liebe & Beziehung mittels Interviews, Recherchen und persönlichen Anekdoten behandelt. In der ersten Staffel des Podcasts geht es um Break-Ups und dem darauf folgendem Liebeskummer und Meredith Goldstein geht dabei Fragen wie "Getting Under to Get Over?!", "How to find the perfect Breakup-Playlist on Spotify!" und "How Do I Get Over It?!" auf den Grund... Neugierig geworden? Dann kann man hier reinhören...

 

*) "Crossing Languages - Poetry and Translation" mit Catherine Ciepiela, Jim Kates u. Elizabeth Oehlkers Wright Drei literarische ÜbersetzerInnen, die selbst in den jeweiligen Sprachen schreiben und publizieren, trugen aus ihren Werken vor und diskutierten über Deutsche, Französische und Russische Lyrik und die besondere Problematik beim Übersetzen in einen anderen Sprach-, Klang- und Kulturraum. Sollte man nur Sprachen übersetzen, die man selber (gut) spricht oder ist man vorsichtiger und sensibler, wenn man alles nachschlagen muss? Was ist wichtiger: Reim oder Rhythmus? Wie verfährt man mit Texten aus einer versunkenen Welt bzw. mit Texten "from times long ago"?! Wie klangen die Worte damals? Und wo und wie erfahre ich als ÜbersetzerIn und LeserIn, was bestimmte Wörter/Worte damals bedeuteten bzw. welcher kultureller Kontext damals zugrunde lag?! Was schwang damals ungesagt bzw. nur zwischen den Zeilen mit? Und wie lassen sich Bezüge zu realen Geschehnissen oder Personen herstellen?

*)   "Why Do Awards Matter?!" mit Lesley Nneka Arimah, Carmen Maria Machado und Danze Smith                         Die drei preisgekrönten AutorInnen diskutierten über die Vor- und Nachteile literarischer Preise und Auszeichnungen und welche Bedeutung und Folgen (finanzieller Vorschuss, mehr Druck, höhere Erwartungen an sich und das nächste Werk,...) eine derartige Anerkennung für ihr jeweiliges kreatives Schaffen, den praktischen Schreibprozess und die LeserInnen und deren eigene Lesegewohnheiten bedeutet. Bin ich (m)einer bestimmten Gruppe ("ethnicity", "feminist", "gender", "LGBTQ", "religion",...) zugehörig und muss/darf nur im Hinblick darauf schreiben?! Schreibe ich schon für einen bestimmten Award oder für mich und das Werk an sich? Welches Genre sollte ich daher (nicht) bedienen?

 

*)   "The Edge of Fame" mit Justine Bateman                                                                                                                     Die Autorin, Produzentin, Regisseurin und Schauspielerin sprach über die Bedeutung von Bekanntheitsgrad, vermeintlichem Ruhm und einem Leben in aller Öffentlichkeit. Warum sind wir von Stars, A-, B- und C-Prominenten oder Adabeis besessen?! Was bedeutet das für die Prominenten selbst? Wo liegt die Grenze zwischen Imagepflege, Marketing und Privatspäre? Ab wann spielt ein/e SchauspielerIn wo und wie nur mehr eine Rolle? Wann und wo verschwimmen die Grenzen? Und wie/wohin verschiebt sich die öffentliche Wahrnehmung, wenn eine prominente Person nicht der Erwartung entsprechend agiert oder sich verhält? Wie erholt man sich davon? Coole Location für derart philosophische Betrachtungen: eine Kirche! Und auch hier konnte eingekauft und anschließend signiert werden...

 

 

Alles in Allem, scheint das Book Festival ein Riesen-Erfolg zu sein: alle Lesungen, Podiumsdiskussionen und Signierstunden waren ausnahmslos gut besucht und es herrschte ein immenses Gewusel im und ums Haus herum...

     

UND: viele Programmpunkte lassen sich per Audio- und/oder Videoaufzeichnung auf der BBF-Homepage nachhören!!!

Ich hör mir gleich mal an, was ich alles nicht an dem Tag geschafft habe und für Euch gilt sowieso:

Stay tuned and read on!

 

© Text und Fotos: Martina Lammel

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