I wart aufn Bücherbus und er kummt net, kummt net, kummt net……

Das wichtigste zuerst. Ich habe meinen Traumjob gefunden. Ganz ehrlich und ohne Augenzwinkern.

Aber fangen wir am Anfang an.

Julie hat mich heute in der Früh in Inverness abgeholt und in den Westen der Highlands gebracht. Der Plan war, mich in den - ich tu mir schwer ihn Ort zu nennen, aber sonst fällt mir nichts ein - Ort (3 Häuser und 2 Mistkübel) namens Letters zu bringen, wo wir auf den Bücherbus stoßen sollten. Ausgerüstet mit Sandwiches, Getränk und Schoko als Jause für mich, die wir noch in Inverness kauften, denn im Westen sind Shops eine

Rarität,

gings durch eine wunderschöne Landschaft in den Westen. Leichter Regen tat dem herrlichen Anblick der Gegend keinen Abbruch. Im Gegenteil, ich denke, der ist nahezu notwendig, um die Berge, die Flüsse und das Moor in all seiner Pracht wahrnehmen zu können.

Nach einer Stunde waren wir am Treffpunkt in Letters, nur der Bus war noch nicht da. Wir haben dann eine ganze Weile gewartet und uns die Zeit mit den Bewohnerinnen im Gespräch vertrieben, da die ja auch auf den Bücherbus warteten. Ganz gemütlich, abgesehen von den lästigen Midges, die uns quälten. Midges sind kleine Insekten, die zu Tausenden aus dem Gras aufsteigen, wenn kein Wind geht und dich an allen nicht bedeckten Körperteilen beißen, vorzugsweise im Gesicht. Sie sind so klein, dass man sie erst bemerkt wenn man beginnt, unkontrolliert im Gesicht herum zu wischen.

Nachdem schon kurz überlegt wurde, ob man nicht doch ins Haus auf ein "cup of tea" gehen sollte, kommt der wunderbare, gelbe Bücherbus angerattert.

Die Verspätung ist schnell erklärt. Der eigentliche Fahrer ist nicht da und David, der sonst auf einer Route im Osten fährt, ist neu auf unserer Route. Egal. Ich springe in den Bus und los geht´s. Wir haben beide keine Ahnung, wo wir stehen bleiben müssen. Aber wir kämpfen uns durch die schriftlichen Anweisungen: zweites Tor beim dritten Haus, nach der vierten Ausweichstelle und die Leserinnen sind alle zufrieden, dass wir doch noch kommen. Alles gut.

Da es zwei fremde Gesichter im Bus gibt, ist man auch schnell im Gespräch und nun wird noch klarer, warum es immer ein bisserl länger bei den Halteplätzen dauert als geplant. Der Bus bringt nicht nur Bücher, sondern auch einen Plausch, den man aus Mangel an Nachbarn sonst nicht führen könnte.

Der Weg führt uns durch eine wunderbare Natur - ich kann nicht aufhören zu lächeln so schön ist es - an die Küste, wo wir schließlich in Gairloch, dem Ausgangspunkt der Wester Ross Route, unseren heutigen Tag beenden.

Gairloch ist ein kleiner Ort am Meer, im Sommer sicher voller Touristen, jetzt schon ziemlich ausgestorben. Wir stellen den Bus bei der Bibliothek ab und David muss noch 1 ½ Stunden zurück nach Inverness fahren.

Ich darf im einzigen Pub/Hotel eine Kleinigkeit essen und mit den Einheimischen ein bisschen fernsehen. Denn das tut man hier im Pub. Gemeinsam trinken und fernsehen. Und schließlich mach ich mich durch stürmenden Regen - ich war selten noch so nass, trotz Regenjacke und Schirm - auf den Weg zu meinem B&B.

Wenn ich bis jetzt nicht hätte sagen können, was mein Traumjob wäre: Jetzt weiß ich es. Traumhafte Gegend, Menschen, die sich freuen, dass du kommst, nette Gespräche, Einsamkeit beim Fahren, umgeben von Büchern. Was soll ich sagen. Bücherbusfahrerin.

Ich freu mich auf morgen.

© Text und Fotos: Brigitte Donnelly

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Freu mich jeden Tag auf deine tollen Reiseberichte! Genieße deine Tour trotz Regen, es muss wirklich ein einmaliges Erlebniss sein. Liebe Grüße Anna

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